Eine Prise Poesie schadet nie…

28. Januar 2012

Lesen.

Vieles lässt sich nicht in der nüchtern-sachlichen Sprache des Journalismus ausdrücken. Gedichte sind persönlicher, intimer – und geheimnisvoller als alle anderen literarischen Gattungen.

LEBEN IST

Leben ist, was zwischen den Zeilen steht.
Leben ist, was dann gesagt wird, wenn keiner hinhört.
Leben ist, was die Vergänglichkeit an Raum für die Gedanken übrig lässt.

ICH MAG ES

ich mag es
wie die haut nach sonne riecht
ich mag es
wenn der wind sich an die haare schmiegt
ich mag es
kristall, der auf der zunge liegt
ich mag es
prickelnde frische, die wie funken stiebt
sirup, der aus dem sommer trieft.

TAUSEND BLITZE

Tausend Blitze
Zucken
Rastlos
Fort
Ein fernes Dunkel erhellt sich zum abstrakten Ort
Jeder Winkel wirkt vertraut und bleibt unendlich fremd
Ein lautloser Strom reisst die Gedanken fort
Im Ungewissen bleibt, was hinter einem brennt

Rasender Stillstand
Pulst
Im
Takt
Pralles Leben dringt aus jeder kleinsten Ritze
Brücken brechen ab wo neue Wege wachsen
Klirrende Kälte folgt auf brüllende Hitze
Alles gespeichert in Millionen Synapsen

Verwirrendes Wunder
Eine Reise durchs Gehirn.

TRAGT MICH

Vor jeder Kurve stellt er sich die Frage
Wen stört es, wenn ich über die Klippe rase
Gibt es Blicke, die mich streifen
Wenn Reifen in die Kurve kreischen
Freude
Erleichterung
Tränen gar?
Kein Tag, an dem er sicher war

Das Leben am Rand der Klippe
Niemand hing an seiner Lippe
Leise Signale verhallten ungehört
Wer bleibt nicht lieber ungestört?
Schuld
Gleichmut
Falsche Fragen?
Wer kann ihn durchs Leben tragen

Heute ist es für die Welt geregelt
Lautlos in den tiefen Tod gesegelt
Wer weiß, was es geändert hätte
Glücklich, wer sich selber rettet.
Tragik
Schicksal
Selber schuld?
Er haucht sein Leben aus am Grund.

AUGENBLICKE

wunderbare minuten
wehrlos im fluss der zeit
auf verschlungenen routen
macht das leben sich breit

flüchtige gedanken
rudern gegen den strom
springen ueber die planken
morgen waren sie schon

wohin gehen momente
mit denen wir fertig sind
zerbrochen liegen fragmente
die reste zerstäubt der wind

am ende war alles
der anfang ist nichts
der eine der kann es
dem anderen zerbricht’s

TAL DER TRÄNEN

Wellen tragen durch das Tal der Tränen
Am Ende warten hungrige Hyänen
Wo die Sonne scheint, können sie nicht sein
Doch im Schatten wachsen und gedeihen
Aus kleinsten Missgefallen düstere Gestalten
Die lachend blassgesichtige Geiseln halten.

Zerbrecht die gläsernen Verliese
Auf dass der Staub der Zeit zerstiebe
Es wird soweit, die Fesseln abzulegen
Herauszutreten aus dem Nebel
Der dem Verstand die Sicht verstellt
Auf das goldene Füllhorn dieser Welt.

Befreit die Seele, befreit den Körper
Lasst Taten siegen über Wörter
Was geschehen ist, ist unvergänglich
Gesagtes bleibt oft unzulänglich
Seht her, man braucht nur hinzugreifen
Was da ist, wird für alle reichen.

TRAUM

Eine Fahrt ohne Wind.
Seltsam still ist es hier.
Die Sonne bräunt nicht die Haut.
Und beim Aussteigen merkst du,
der Zug hat den Bahnhof nie verlassen.

WO GOTT WOHNT

wo gott wohnt

gibt es keine busse
hat die post geschlossen
ist das telefon tot

kein wunder,
dass er uns nicht mehr versteht

NEON

Neon ist kalt.

Doch es wärmt in der Nacht
Was schmerzt in den Augen
War als Höhle gedacht.

Die Wahrheit klingt glatt
Doch schrammt rau
überall 
Schmirgelt Schmutz ab.

Neon ist kalt.
Dreh das Licht ab.
Der Alb.

DER PERFEKTE MOMENT

Jahrtausende existiert der Mensch
Ohne zu wissen warum
Neue Tage beginnen wie alte enden
Mit oder ohne sein Zutun.

Regen fällt, Flüsse fließen ins Meer
Doch alles bleibt Wasser
Hell ist nur das Gegenteil von dunkel
Die Welt, sie wird nicht nasser.

Was wird sich dann geändert haben
Wenn die Erde dich umringt
Schnell zerfällt was langsam wuchs
Jemand den letzten Abschied singt.

Sicher ist dass alles vergeht
Fraglich bleibt das Zwischendurch
Schnell ist der Mensch vergessen
Doch stark und frei von Furcht.

Das was bleibt kann flüchtig sein
Wenige Tropfen einer Essenz
Eine Minute vielleicht nur
Hauch eines perfekten Moments.

LETZE MINUTEN

Das Wasser kannst du nicht mehr trinken: schal
Der Blick rutscht ab, die Haftung ging verloren
Begrüßungsrituale verpufften über Gesprächsozeanen
Gefühlswallungen flachten ab
Das Wichtige – Schnee von gestern
Das Neue – noch unwichtig
Verschwommene Konturen
Was nicht gesagt wird geht niemandem ab
Und doch fehlt es
Wir wissen, was zu sagen ist
Ahnen was gesagt werden wird
Und kein Satz fällt

Abblende.

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