Lessons from Bali (7): Was tun, wenn nichts mehr wächst?

22. August 2012

Leben.

In Asien wie Europa wird gearbeitet, gelebt und geliebt – same but different. Auf einer Insel stößt man etwas schneller an die Grenzen des Wachstums als auf einem Kontinent. Besonders dann, wenn durch terroristische Anschläge die gewohnten Touristenströme ausbleiben. Was anderswo Katastrophen auslöst, hat auf Bali zu einer Rückbesinnung auf die eigenen Stärken geführt.

Balinesen verdrängen nicht gern. Während in den USA ein noch protzigerer Turm die von Terroristen geschlagene Wunde füllen wird, ein globaler Stinkefinger für alle Bösewichte, glaubt man auf der kleinen Urlaubsinsel daran, dass dort nichts Gutes mehr entstehen kann.

Wo also im Jahr 2002 fundamentalistische Islam-Anhänger eine Diskothek in die Luft sprengten und speziell für balinesische Standards unbekanntes Leid auslöste, klafft eine mahnende Lücke. Dass dort ein völlig überteuerter Parkplatz entstanden ist, passt gut zum Thema: Was, wenn das Wachstum ausbleibt?

In Folge der Anschläge brachen die Touristenbesuche um bis zu 80 Prozent ein, mit fatalen Folgen für die einheimische Wirtschaft. Mit Unterstützung benachbarter Länder und Währungsabwertungen schaffte man es, die heftige Krise zu überwinden. Mit der erzwungenen Pause ging scheinbar auch eine Rückbesinnung auf manche Stärken einher.

Während es zuvor zumindest nach lokalen Standards boomte und nach grenzenlosem Wachstum aussah, kamen Wirtschaft und Gesellschaft nahezu zum Stillstand. Mit viel positiver Energie und Selbstorganisation gelang es Bali, sich aus dem tiefen Loch wieder herauszuziehen. Zwar wird noch immer über schwache (Neben-)Saisonen geklagt, doch man kommt über die Runden.

Die sozialen Verwerfungen waren teilweise enorm, so arbeiten Elektronik-Spezialisten heute als Schirmaufsteller am Strand, da die Fabriken geschlossen wurden. Doch immerhin, sie arbeiten oder schlagen sich anderweitig durch. Es wird viel Obst und Gemüse angebaut, selten herrscht Mangel an irgend etwas. Was nicht vorhanden ist, erfindet man oder behilft sich – ein Spirit, der bei weitem nicht jede entlegene Insel prägt.

Mir hat das gut gefallen: Ja, die fetten Jahre sind noch im Gedächtnis – aber sie werden weder als verloren noch als gegeben hingenommen. Das Maximum aus dem zu machen, was man hat, und wieder darauf hinarbeiten, dass es auch in Boomzeiten gut läuft. Dazwischen ruhig mal andere Dinge in den Fokus nehmen…

Bali wurde mit brutaler Gewalt von außen dazu gezwungen, ich zwinge mich selbst dazu, bevor in mir etwas explodiert.

Bisher erschienen:
Lessons from Bali (1): Asiatische Hamster sind glücklicher!
Lessons from Bali (2): Life Balance – Leben ist immer privat
Lessons from Bali (3): Wo genug nicht zu wenig ist
Lessons from Bali (4): Ein Loblied auf die Ineffizienz
Lessons from Bali (5): Faulheit, der verlorene Sohn
Lessons from Bali (6): Im Chaos ist der Planlose König

Weiter geht’s mit:
Lessons from Bali (8): It’s not the economy, stupid!
Lessons from Bali (9): There’s a million waves to come
Lessons from Bali (10): Was bleibt vom Paradies?

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