Lessons from Bali (8): It’s not the economy, stupid!

3. September 2012

Leben.

In Asien wie Europa wird gearbeitet, gelebt und geliebt – same but different. Bill Clinton gewann damit seine Wahl zum US-Präsidenten, und schon vorher hatte sich die Maxime, dass die Wirtschaft über unser Wohl und Wehe entscheidet, quer durch alle Gesellschaften und Schichten durchgesetzt. Aber stimmt sie auch?

Geht’s der Wirtschaft gut, geht’s uns allen gut. Mit diesem scheinbar simplen Spruch wirbt etwa die Wirtschaftskammer. Mag dahinter – bei positiver Betrachtung – auch ein sehr sinnvoller Gedanke stehen (nach dem Motto: Wenn wir alle etwas dafür tun, geht’s uns insgesamt besser), bezweifle ich doch, dass diese Position langfristig gesund ist. Denn wie fast alles in der Natur und im Leben unterliegt auch die Wirtschaft gewissen Zyklen – schlechte Phasen gehören zwangsläufig dazu.

Ob es einem Land und einem Menschen gut geht, hängt von sehr vielen Dingen ab. Interessanterweise gehört Reichtum zwar irgendwie dazu, scheint aber nicht wirklich ausschlaggebend zu sein. Der Platte Spruch „Geld macht nicht glücklich“ greift zu kurz, denn man kann mit oder ohne Geld glücklich sein, es ist nur einfacher oder schwieriger – und hier möchte ich ansetzen.

Je satter und wohlhabender eine Gesellschaft, desto unglücklicher scheint sie zu werden, wie viele Studien und Statistiken zu zeigen. Schon wollen Wissenschaftler statt dem Bruttoinlandsprodukt das Bruttoglücksprodukt berechnen, um der Wahrheit auf die Schliche zu kommen. In Wahrheit braucht es keine Wissenschaftler und Zahlen, um den vermeintlichen Widerspruch aufzulösen!

Warum sind denn nun die Bewohner ärmerer Regionen oft glücklicher als die Top 5 der reichsten Länder zusammen? Wei sie ein anderes Wertesystem haben. Der sogenannte Westen wurde jahrzehntelang auf allen Ebenen darauf getrimmt, mehr materielle Werte anzuhäufen. Die schaffende Aufbaugeneration nach dem Zweiten Weltkrieg genießt in Österreich dafür noch immer höchstes Ansehen.

Doch irgendwann wurde dieser ursprünglich sinnvolle Anhäufungszwang zum Selbstläufer – und Boomerang. Gespartes Geld bedeutet heute längst keine Sicherheit mehr, und somit fühlen sich viele doppelt verunsichert: Steigende Preise stehen sinkenden Sparzinsen gegenüber, dazu geistert das Gespenst der Inflation herum. Wer (trotzdem) zuversichtlich und glücklich ist, wird als  Traumtänzer abgetan, den die Realität schon noch einholen wird.

Mal ganz abgesehen davon, dass aus Angst selten etwas entsteht außer noch mehr Angst, halte ich das für den falschen Ansatz. Wie das Kaninchen vor der Schlange auf die nächste Katastrophe zu warten und mich bis dahin in meinem Unglück zu ergehen, das zerstört Gesellschaften und kann mitunter schlimme Folgen zeitigen.

Das ist natürlich kein Aufruf, sein Geld zu verbrennen und unter der Brücke zu wohnen. Die „richtigen“ Werte, die jeder für sich selbst finden muss, ins Zentrum der eigenen Zukunft zu rücken, ist ein guter Anfang. Etwa Gesundheit. Oder soziale Beziehungen. Die kleinen Glücksmomente, die ein reiches und sicheres Land wie unseres vielen Menschen bietet. Und mit dieser positiven Grundstimmung arbeiten wir an den Herausforderungen der Zukunft – so wie die Balinesen!

Bisher erschienen:
Lessons from Bali (1): Asiatische Hamster sind glücklicher!
Lessons from Bali (2): Life Balance – Leben ist immer privat
Lessons from Bali (3): Wo genug nicht zu wenig ist
Lessons from Bali (4): Ein Loblied auf die Ineffizienz
Lessons from Bali (5): Faulheit, der verlorene Sohn
Lessons from Bali (6): Im Chaos ist der Planlose König
Lessons from Bali (7): Was tun, wenn nichts mehr wächst?

Weiter geht’s mit:
Lessons from Bali (9): There’s a million waves to come
Lessons from Bali (10): Was bleibt vom Paradies?

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