Lessons from Bali (9): There’s a million waves to come

12. September 2012

Leben.

In Asien wie Europa wird gearbeitet, gelebt und geliebt – same but different. Im vorletzten Teil meines Rückblicks auf die lebensverändernde Reise geht es um (scheinbar) einmalige Chancen, perfekte Momente – und die eigene Unbedeutsamkeit.

Die erste Lektion beim Surfen ist Demut, das versteht jeder Anfänger schnell. Demut vor der Schönheit der Wellen. Demut  vor der unermesslichen Kraft der Natur. Und Demut vor der Unerbittlichkeit von „Laut“ (gesprochen „la:ut“), der See, die keine Freunde kennt.

Was mich jedoch mehr überrascht hat, waren die fast schon philosophischen Ansätze unseres Surflehrers, eines ehemaligen Messerkampf-Champions mit der gedrungenen Statur einer Corona Gorda, der man die Narben nur aufgrund der Hautfarbe nicht mehr ansah.

Obwohl es keinen schlechten Tag zum Surfen gab (alles eine Frage des Timings und der Einstellung, schließlich sind bis 7 Uhr Früh die Wellen fast immer gut…), wie wir lernen durften, warteten wir die meiste Zeit darauf, ideale Voraussetzungen für Anfänger vorzufinden.

Natürlich durfte man es auch zu nicht empfohlenen Zeiten versuchen, dabei holte man sich aber stets eine blutige Nase. Also: Den richtigen Zeitpunkt abwarten. Noch besser: Lernen, wie man ihn erkennt. Noch viel wichtiger ist das beim „Nehmen“ der richtigen Welle.

Hochmotiviert will man natürlich auf allem Reiten, was irgendwie nach Welle aussieht. Dabei vergeudet man aber Kraft, Energie und Style-Punkte, denn nur jede zehnte ist auch dafür geeignet. Es kann auch jede zweite sein, oder jede dreißigste – you never know!

Erst mit der richtigen Gelassenheit und einem geschulten Auge kann man erkennen, was wirklich groß und gut wird, was vorzeitig bricht oder zu schnell kommt. Die eine perfekte Welle gibt es dabei nie, denn es kommen nach jeder noch Millionen weitere, ebenso unerbittlich wie gewiss.

Letztendlich muss man es akzeptieren: Dem Meer bist du egal. Alle kommen „in the laundry“, ob Greenhorn oder Surfprofi, so endet selbst der perfekteste Ritt. Glücklich werden kannst du nur, wenn du deine Bedeutsamkeit nicht überschätzt, das richtige Timing findest, nichts erzwingst, deine Chancen erkennst und im richtigen Moment handelst.

Unterschied für die Welt macht es dann noch immer keinen. Doch für dich selbst und jene, die in diesem Augenblick mit dir im Leben stehen, ist es alles, was es gibt – und alles, was zählt. Stress dich nicht: There’s a million waves to come.

Bisher erschienen:
Lessons from Bali (1): Asiatische Hamster sind glücklicher!
Lessons from Bali (2): Life Balance – Leben ist immer privat
Lessons from Bali (3): Wo genug nicht zu wenig ist
Lessons from Bali (4): Ein Loblied auf die Ineffizienz
Lessons from Bali (5): Faulheit, der verlorene Sohn
Lessons from Bali (6): Im Chaos ist der Planlose König
Lessons from Bali (7): Was tun, wenn nichts mehr wächst?
Lessons from Bali (8): It’s not the economy, stupid!

Es folgt der letzte Teil der Serie:
Lessons from Bali (10): Was bleibt vom Paradies?

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