Lessons from Bali (10): Was bleibt vom Paradies?

21. September 2012

Leben.

Asien und Europa – same but different. Mittlerweile ist der Urlaub in weite Ferne gerückt und viele Schichten haben sich über die Erlebnisse gelegt. Doch diese brodeln im Inneren weiter und sorgen für spannende Eruptionen – denn meine emotionale Tektonik hat sich für immer verschoben.

Es war fast die häufigste Reaktion auf meine Erzählungen, die ich ohnehin nur wenigen im vollen Umfang berichtet habe: Der Zweifel daran, dass man nach einer „Auszeit“ wirklich etwas im Leben verändert. „Komm erst mal wieder an in der Wirklichkeit…“ Was ist denn diese Wirklichkeit, der ich nicht entkommen können soll und von der man sich permanent in Urlaube flüchten muss?

Ich hatte auf Bali keine Eingebung, wurde nicht erleuchtet und bin auch nicht über Nacht zum ausgeglichenen Menschen geworden. Für mich hat es gereicht, Menschen zu treffen, die ihr Leben selbst in die Hand genommen haben. Geschichten zu hören, die nicht mit Klagen beginnen, sondern mit Chancen, die man sich schafft.

Die wichtigste Erkenntnis für mich persönlich war, dass alles, was ich mir in Österreich aufgebaut habe, auch ohne meine Anwesenheit funktionieren kann. Das war nicht immer so, und bisherige Versuche waren weniger ermutigend. Meine Bemühungen in diese Richtung haben Früchte getragen, und das ist… großartig! Denn nun kann ich weg.

Wieder einmal wurde mir klar, wie sehr sich die Schwerpunkte in meinem Leben verschoben hatten. Die Minimierung meines Privatlebens und meiner Emotionen waren der verzweifelte Versuch, mich von den fehlenden Elementen meines Lebens abzulenken. Auf Bali habe ich viel von mir wiedergefunden. Es ist gekommen, um zu bleiben.

Der härteste Teil liegt natürlich vor mir: In unserer westlichen Welt muss man persönliche Freiräume jeden Tag erkämpfen, argumentieren und verteidigen. Ich lebe wahnsinnig gerne hier, bin begeistert von den Möglichkeiten und Freiheiten, die wir genießen dürfen. Warum ist es aber so schwer, hier zu sich selbst zu finden? Ein bisschen mehr im Einklang mit menschlichen Bedürfnissen zu leben?

„Das ziehst du nie durch…“ habe ich oft gehört, nachdem ich meine größte und sichtbarste Lektion aus Bali umgesetzt hatte: Mehr Zeit für mich durch die Vier-Tages-Woche. Ja, meine Kollegen finden es gut. Nein, nicht alle glauben daran. Und haltet euch fest: Es funktioniert. Ich bin bereit, mit dem von mir hochgehaltenen Mythos der permanenten Leistungsbereitschaft zu brechen – und das war mein erster Schritt.

Viele weitere Schritte und Handlungen werden folgen, und ich freue mich auf sie. Wer sich stets vom Strom der Angepassten treiben lässt, wird im Meer der Beliebigkeit untergehen – und niemand wird es merken. That’s not me!

Bisher erschienen:
Lessons from Bali (1): Asiatische Hamster sind glücklicher!
Lessons from Bali (2): Life Balance – Leben ist immer privat
Lessons from Bali (3): Wo genug nicht zu wenig ist
Lessons from Bali (4): Ein Loblied auf die Ineffizienz
Lessons from Bali (5): Faulheit, der verlorene Sohn
Lessons from Bali (6): Im Chaos ist der Planlose König
Lessons from Bali (7): Was tun, wenn nichts mehr wächst?
Lessons from Bali (8): It’s not the economy, stupid!
Lessons from Bali (9): There’s a million waves to come

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