Lessons from Bali RELOADED: Parlament ohne Palmen

8. Dezember 2013

Leben.

Wenn man bei voller Fahrt wissen möchte, wie weit man gekommen ist, wirft neben dem forschen Blick nach vorn gelegentlich einen in den Rückspiegel. Meine dreiwöchige „Auszeit“ ist mittlerweile eineinhalb Jahre her, viel ist in meinem Leben passiert…

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Nach anfänglichen Erfolgen – die Entspannung hatte länger angehalten als befürchtet, das Zurückschalten funktioniert – bedurfte es erst einiger Herausforderungen und Hürden, bevor die endgültige Umstellung gelang. Exakt wie nach Drehbuch… und doch wäre mein Wechsel in die Politik nicht denkbar gewesen ohne den freien Kopf, den ich mir in Bali verschaffte. Und der mir die Sicht auf mich selbst, meine Pläne, Ziele und Bedürfnisse, ermöglicht hat. Ich war bereit für etwas Neues, und mein Umfeld auch.

Kein Jahr später beschloss ich, kopfüber ins kalte Wasser zu springen. Die Chance, mit einer liberalen Bewegung in einer entscheidenden Position in den Wahlkampf zu ziehen, war einfach zu verlockend. Noch einmal von vorne zu beginnen, für eine Sache brennen. Bingo. Gewisse Dinge können nur klappen, wenn man eine gesunde Abneigung gegen Statistik mitbringt. Theoretisch ist vermutlich auch das Erwischen einer perfekten Welle beim Surfen nicht drin… obwohl ebenso möglich wie einfach geil!

Mit hohem Einsatz, einem grandios vielfältigen Team überzeugter Promis und einer gehörigen Portion Glück, die manchmal die Mutigen belohnt, haben wir die Welle tatsächlich erwischt. Sie hat uns mit viel Getöse ins Parlament getragen. Hier gibt es keine Palmen, und wenn etwas rauscht, ist es bestimmt nicht die Brandung.

Dennoch habe ich auch dafür viel in der Ferne gelernt und erfahren – in erster Linie Demut. Die Wellen schlagen hoch, und das politische Meer hat nicht auf uns gewartet. Das Parlament ist eine gut geölte Maschine, der effiziente Motor in einer historisch gewachsenen und komplexen Parteienapparats, der in alle Richtungen wabert und wuchert.

Hier wird man entweder zermahlen oder zermürbt – am Ende gewinnt die Urgewalt, in diesem Fall der Staat. In einem ständigen auf und ab wogen die Geschehnisse, deren Umfang und Art man oft erst spät erkennt. Dieses See zu lesen und richtig zu interpretieren, die Lücken zu finden und die Strömungen zu nutzem, um im richtigen Moment sichtbar und erfolgreich zu sein – diese Geheimnisse müssen wir unserem neuen Umfeld entlocken.

Doch der Blick darf dabei nie zu lange am selben Fleck verweilen. Wenige Sekunden reichen, monatelange Bemühungen zunichte zu machen – untergegangen im endlosen Peitschen der heranrollenden Wogen, weggetragen von übermächtigen Strömungen, angespült am Strand der Hoffnungslosen. Das klingt oft einfacher, als es ist: Wählerströme sind wie die Brandung – selbst für Eingeweihte schwierig zu erkennen und kaum jemals vorherzusagen.

Was zählt, sind die perfekte Vorbereitung, ein wachsames Auge für Details und die Entschlossenheit, den Moment zu nutzen, wenn er kommt. Ein wilder Ritt. Yee-haa!

Bisher erschienen:
Lessons from Bali (1): Asiatische Hamster sind glücklicher!
Lessons from Bali (2): Life Balance – Leben ist immer privat
Lessons from Bali (3): Wo genug nicht zu wenig ist
Lessons from Bali (4): Ein Loblied auf die Ineffizienz
Lessons from Bali (5): Faulheit, der verlorene Sohn
Lessons from Bali (6): Im Chaos ist der Planlose König
Lessons from Bali (7): Was tun, wenn nichts mehr wächst?
Lessons from Bali (8): It’s not the economy, stupid!
Lessons from Bali (9): There’s a million waves to come
Lessons from Bali (10): Was bleibt vom Paradies?

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